SAXORUM, Sächsische Landeskunde, digital

Ein Wegweiser zu Orten, Webseiten und Literatur der Erinnerungskultur in Sachsen

Erinnerungskultur - was ist das eigentlich?

Der Begriff "Erinnerungskultur" bezeichnet den Umgang einer Gesellschaft mit ihrer Vergangenheit. Ein kollektives Erinnern an positive und negative Ereignisse eines Landes, einer Nation dient dem Verständnis der Vergangenheit, der Orientierung in der Gegenwart und fördert den gesellschaftlichen Zusammenhalt in der Zukunft. In Demokratien wird die Erinnerungsarbeit von Einzelpersonen und Gruppen, von Initiativen und Vereinen, von Gedächtniseinrichtungen und Stiftungen wesentlich mitgeprägt. In Diktaturen hingegen wird kritisches Engagement, insbesondere das zur Aufklärung von Unrechtsgeschichte, beeinträchtigt, unterdrückt oder verboten. Eine offene und ehrliche Erinnerungsarbeit lässt sich auf Dauer aber nicht durch Geschichtsideologie und Propaganda verdrängen.

Was heißt und will Erinnerungskultur digital?

Aufgrund der leidvollen Unrechtsgeschichte in zwei Diktaturen im 20. Jahrhundert ist in Deutschland eine von vielen Ehrenamtlichen getragene Erinnerungskultur verankert und weit verbreitet. Ziele der Beschäftigung mit der Vergangenheit sind vor allem die Verständigung und Versöhnung nach innen und außen, auch und gerade mit den Nachbarländern. So konnte z.B. aus einer einzelnen Bürgerinitiative zur Verlegung von Stolpersteinen in Erinnerung an das Unrecht an jüdischen Mitbewohnern ein dezentrales Flächendenkmal in Europa entstehen. Mit dem Aussterben von Zeitzeugen des 20. Jahrhunderts nimmt die Bedeutung von überlieferten Zeitzeugnissen zu. Bilder, Filme, Texte u.a. originale Dokumente können digital zugänglich gemacht werden. Bürgerschaftliche Geschichtsarbeit und Citizen Science in vielen Themenbereichen lassen sich durch technische Entwicklungen, auch durch KI-Anwendungen, wirkungsvoll unterstützen.

Mehr dazu in der frei zugänglichen Online-Publikation Erinnerungskultur digital – Herausforderungen und Chancen für die historische und politische Bildung, 2024. Online unter: https://doi.org/10.25366/2024.65. Der Tagungsband aus dem Jahr 2024 gibt Impulse in Form von 18 Beiträgen zu diesen 7 Themen:

  • Erinnerungskultur als gesellschaftlicher Auftrag
  • Digitale Werkzeuge und Methoden der Erinnerungskultur
  • Digitalisierung historischer Zeitzeugnisse
  • Social Media und historisches Lernen
  • Gaming in der Erinnerungskultur
  • Partizipative Erinnerungskultur und Citizen Science
  • Erfahrungen von Citizen Scientists.

Die Beiträge aus Wissenschaft und Zivilgesellschaft plädieren für mehr (digitale) Kooperationen zwischen den unterschiedlichen Akteuren und Einrichtungen sowie für engere und vor allem nachhaltige Vernetzungen der vielen Einzelprojekte. Digitale Erinnerungsarbeit kann erstarrte Gedenkrituale neu beleben und die Sichtbarkeit des ehrenamtlichen Bürgerengagements verbessern. „Erinnerungskultur digital“ will auch ein Appell sein, mit breiter Geschichtsarbeit und mehr Medienkompetenz gezielter Desinformation zu begegnen.  

Hilfreich ist ferner: WikiRemembrance – Eine Handreichung zur digitalen Erinnerungskultur, 2024. Online unter: https://doi.org/10.34657/13796

Navigator ERDI – WikiRemembrance Saxony

Der Navigator ist eine auf Wikidata basierende Landkarte, ein Wegweiser zu Orten der Erinnerung und zu Initiativen und Vereinen der Erinnerungsarbeit in Sachsen. Er wurde durch die Initiative Erinnerungskultur digital (ERDI) angeregt und ergänzt die oben vorgestellte gleichnamige Publikation, die online und als Print verfügbar ist. Der Navigator will die vielfältigen Initiativen sichtbar machen, erhebt aber keinen Anspruch auf Vollständigkeit und kann weiter befüllt werden. Auch gibt es hilfreiche weitere Übersichten, insbesondere die über die bislang 78 Orte mit Stolpersteinen in Sachsen. Publikationen und Webinformationen erinnern an die Menschen hinter den bislang mehr als 2.350 Stolpersteinen in Sachsen, viele Beiträge wurden ehrenamtlich erstellt.

Hinweise zur Verbesserung des Navigators erbeten an kontakt@saebig.de.

Weblinks und Literatur Erinnerungskultur digital

Zahlreiche Fachinformationsdienste, Quellenportale (digitalisierte Adressbücher, historische Zeitungen u. a.) sowie Plattformen für Forschungsdaten (NFDI4Memory, FactGrid u. a.) unterstützen eine vernetzte digitale Erinnerungskultur. Ferner gibt es umfangreiche Literatur über Erinnerungskultur als gesellschaftliche Aufgabe, über Digitalisierung und Digitalität der Erinnerungskultur, über Social Media und historisches Lernen, Games und Erinnerungskultur, Erinnerungsarbeit und Citizen Science.

Eine Auswahl der umfangreichen Weblinks und Literatur finden Sie hier: https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bsz:14-qucosa2-1028044

Beiträge zum Thema Erinnerungskultur auch im Saxorum-Blog: https://saxorum.hypotheses.org/tag/erinnerungskultur

Kontakt zur Initiative Erinnerungskultur digital in Sachsen über die Sächsische Bibliotheksgesellschaft e.V.: kontakt@saebig.de


Autor des Begleittextes: Thomas Bürger (SäBiG)

Programmierung der Kartenanwendung: Christian Erlinger (LibrErli)

Dokumentation: https://erdi-landkarte-d6765a.gitlab.io/

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