SAXORUM, Sächsische Landeskunde, digital

Erschließung und Digitalisierung des Nachlasses von Adolf Spamer

Adolf Spamer (1883–1953) gilt als Wegbereiter des Fachs Volkskunde in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und prägte dessen Entwicklung und Professionalisierung. 1926 wurde er an die Technische Hochschule Dresden auf den Lehrstuhl für Deutsche Philologie und Volkskunde berufen, ab 1936 bekleidete er den ersten rein volkskundlichen Lehrstuhl an der Berliner Friedrich-Wilhelms-Universität. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs war Spamer maßgeblich am Aufbau einer institutionalisierten Volkskunde in der DDR beteiligt. Er starb 1953 in Dresden. Seinen umfangreichen Nachlass übernahm das Institut für deutsche Volkskunde an der Akademie der Wissenschaften der DDR in Berlin und übergab später den Großteil der Unterlagen an seine Dresdner Forschungsstelle, eine Vorgängerin des ISGV.

Der Nachlass besteht aus wissenschaftlichen und lebensgeschichtlichen Unterlagen, einer Sammlung von Andachtsbildern, der sogenannten Weltkriegssammlung sowie dem Corpus der Segen und Beschwörungsformeln (CSB). Nicht nur Spamers Korrespondenz mit namhaften Volkskundlern und Kulturwissenschaftlern lädt zu einer intensiven Beschäftigung ein. Über die Jahre zusammengetragene Originaldokumente zu Phänomenen der Populärkultur sind als wertvolle Quellen für die Forschung von großer Bedeutung. Dazu zählen handschriftliche Rezeptbücher, Andachtsbilder, Propagandapostkarten des Ersten Weltkriegs oder das Vorlagenbuch des Hamburger Tätowierers Karl Finke. Das CSB beinhaltet rund 23.000 Texte, die Glaubensvorstellungen und alternativmedizinische Praktiken seit dem Mittelalter dokumentieren. Mit ihrer Sammlung hatte Spamer schon vor dem Ersten Weltkrieg begonnen und diese bis zum Ende seines Lebens weitergeführt. Das CSB ist nicht nur aufgrund seines Umfangs und des langen Sammelzeitraums beispiellos, sondern auch das Projekt, das Spamer am intensivsten beschäftigt hat.

Die Erschließung im Verbundportal Kalliope möchte den Nachlass wie auch das enthaltene Material transparent machen und zur wissenschaftlichen Auseinandersetzung anregen. Inhaltliche, personelle oder räumliche Verbindungen von Objekten und Arbeitsschwerpunkten werden sichtbar und liefern Erkenntnisse über die Wissensproduktion des Fachs Volkskunde in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Projektseite des ISGV: www.isgv.de/projekte/volkskunde/erschliessung-und-digitalisierung-des-nachlasses-adolf-spamer

Projektvorstellung auf Hypotheses (mit Kommentarfunktion): https://saxorum.hypotheses.org/2461

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