SAXORUM, Sächsische Landeskunde, digital

Wanderliteratur aus der DDR im Open Access-Zugriff

Die Reihe „Unser kleines Wanderheft“ aus den Jahren 1951 bis 1965 nun digitalisiert

Titelseite des ersten Hefts der Reihe "Unser kleines Wanderheft" über Freiberg aus dem Jahr 1951

Bei UKW wird vielleicht an die Ultrakurzwelle im Radio gedacht, aber die Abkürzung kann auch noch für eine Reihe stehen, die in der DDR in vielen Haushalten verbreitet war: „Unser kleines Wanderheft“, deren Nummer 1 das Heft über Freiberg war. Die ersten Nummern wurden noch vom Landesamt für Volkskunde und Denkmalpflege in Dresden herausgegeben. So nimmt es nicht Wunder, dass besonders in den ersten Heften ein Schwerpunkt auf Baudenkmälern lag. Lediglich die ersten beiden Jahre erschienen die Wanderhefte im Dresdner VVV-Verlag, danach im renommierten Verlag Bibliographisches Institut (Brockhaus). Mit Auflösung des Verlags wurde die Reihe eingestellt; seit 1977 erschienen dann die Nachfolger unter dem Titel „Tourist-Wanderheft“ mit neuerer Nummerierung (siehe die Gesamtaufstellung).

Als Vergriffene Werke hat die SLUB die Wanderhefte bis zum Erscheinungsjahr 1965 lizenziert und nun digital veröffentlicht. Dabei wurden auch die veränderten Neuauflagen bis 1965 digitalisiert, so die Lizenzierung möglich war. Damit ist es nun leicht, den zeitbedingten Veränderungen in den diversen Auflagen der Wanderhefte nachzugehen. Besonders bekannt ist das Heft 70, das 1957 noch unter dem Titel „Ilsenburg und der Brocken“ erschien, 1966 aber nur noch unter dem Titel „Ilsenburg am Harz“, da der Brocken seit dem Mauerbau 1961 militärisches Sperrgebiet und nicht mehr zugänglich war. Auch ideologische Anpassungen finden sich in den unterschiedlichen Auflagen. Im Heft 38 „Lauscha und das südthüringische Rennsteiggebiet“ zeigen sich in den Auflagen 1961 und 1965 deutliche Unterschiede. So wird im Kapitel über die Stadt Lauscha ein längerer Abschnitt zur „organisierten Arbeiterbewegung“, zur Streikbewegung in früheren Zeiten und zur „führenden Rolle der SED“ erst 1965 eingeschoben, den es 1961 noch nicht gab. Auch in botanischer Hinsicht geben die Hefte einige interessante Hinweise auf den Verlust von Artenvielfalt durch das Verschwinden von Pflanzenarten durch menschliche Eingriffe in die Natur.

So gibt heute die gut gemachte Reihe „Unser kleines Wanderheft“ nicht nur Anregungen für Wanderungen, auch wenn es inzwischen viel ausführlichere Wander- und Reiseliteratur gibt, sondern ist auch ein Zeitzeugnis.

Quelle: Konstantin Hermann, Sachsen.digital, 11. Juni 2021

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