SAXORUM, Sächsische Landeskunde, digital

„…darf niemals vernichtet werden“. Bedeutende Handschriften zur Geschichte Zschopaus online

Das Stadtarchiv Zschopau stellt die Bürgerrolle für die Jahre 1748 bis 1918, Dienst- und Arbeitsbücherverzeichnisse sowie Gewerbegehilfen- und Meldebücher digitalisiert zur Verfügung.

Seite aus dem Bürgerverzeichnis von 1862 bis 1918 aus dem Stadtarchiv Zschopau

„Dieses Buch enthält wichtige Aufzeichnungen über die Einwohner von Zschopau. Die Eintragungen sind deshalb wertvoll für die Rassen- und Sippenforschung“ ließ 1939 der Zschopauer Bürgermeister auf einige Archivalien schreiben, die deshalb nie vernichtet werden dürften. Diese Handschriften aus dem Stadtarchiv Zschopau, die zum Teil mit diesem Etikett versehen sind, gehören zum Kern der archivalischen Überlieferung der erzgebirgschen Stadt am gleichnamigen Fluss. Was der Bürgermeister im nationalsozialistischen Jargon ausdrückte, galt dem Bewahren der für die Stadtgeschichte wesentlichen Handschriften zur Personenforschung. Damals vor allem für die Familienforschung gedacht, eröffnen diese Dokumente heute tiefe Einblicke in die Sozial-, Wirtschafts- und Migrationsgeschichte der Stadt über mehrere Jahrhunderte.

Das Stadtarchiv stellte uns zur Digitalisierung im Landesdigitalisierungsprogramm die Bürgerrolle für die Jahre 1748 bis 1918 zur Verfügung, Dienst- und Arbeitsbücherverzeichnisse sowie die Gewerbegehilfen- und Meldebücher. In der Bürgerrolle sind alle als Bürger der Stadt aufgenommenen Personen verzeichnet, mit Geburtstag, Herkunftsort und Beruf. So ist u. a. Christian Heinrich Wagner zu finden, einer der ersten Fotografen dieser Region überhaupt. Als er den Bürgereid schwor, tat er dies als „Weber und Photograph“. Sein Atelier führten die Söhne weiter. In den Dienstbotenregistern sind alle Hausangestellten verzeichnet, wann und wo sie Dienst taten und ihre Herkunft. Für die historische Forschung zur Geschichte Zschopaus eröffnen sich damit neue Perspektiven. 

Und nicht zu vergessen sind die „Katastrationsprotokolle“ der Stadt. Hinter diesem Zungenbrechernamen verbirgt sich eine vielgenutzte handschriftliche Quelle, die sämtliche Gebäude der Stadt verzeichnet und viele Angaben zu den Besitzern, zur Größe der Häuser und Grundstücke macht und die genaue Lage der Gebäude zeichnerisch festhält. Außerdem finden sich Angaben zu den Feuerstätten, Kellern und zum Alter der Gebäude.

Das Stadtarchiv Zschopau und die SLUB Dresden freuen sich, diese wertvollen unikalen Quellen nun hier digital präsentieren zu können. Wir wünschen viele spannende Entdeckungen.

Dr. Konstantin Hermann, sachsen.digital, 27. Januar 2021

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